Worauf sollte man bei der Planung von ERASMUS+-Reisen ins Ausland, sowie der Suche nach Angeboten hierfür, achten?


1. Praktika und Arbeitsplätze ohne Unterkunft (aber die Unterkunft ist irgendwie doch enthalten): Wer keine passende Unterkunft gefunden findet und deshalb nicht rechtzeitig oder gar nicht zum Praktikum antritt, verliert im schlimmsten Falle den Praktikumsplatz und alles, was hierfür gezahlt wurde! Deshalb, Augen auf bei den Programmkosten: sind Kosten für die Unterkunft inbegriffen? Werden sie auch von der aufnehmenden Organisation gestellt?



2. Lebensläufe und Anschreiben per E-Mail: Hier besteht das Risiko unzureichender Datenschutzmaßnahmen, denn Organisationen, die derartige Unterlagen per E-Mail verlangen, werden diese höchstwahrscheinlich auch selbst ungeniert und wahllos per E-Mail hinausfeuern – ganz ohne Rücksicht auf den Schutz persönlicher Daten. Firmen müssen im Umgang mit persönlichen Daten von Lehrlingen und Studierenden geschlossene CRM bzw. Datenbanken und Kommunikationsprotokolle vorweisen. Koordinierende Lehrkräfte haften hier persönlich und im Namen der Schule und könnten sich schlimmstenfalls eine Klage ins Haus holen, samt arbeitsrechtlichen Konsequenzen.



3. Unachtsamkeiten und Desinteresse: Das kommt öfter vor, als man wahrhaben will. Wird ein Manager bzw. eine Kontaktperson bereitgestellt, die rund um die Uhr erreichbar ist, oder nur zu den Bürosprechzeiten? Wird eine Abholung am Flughafen geplant, oder muss man sich an einem Wochentag – oder gar an einem Sonntag – selbst zurechtfinden? Werden mitreisende Aufsichtslehrkräfte in einer fremden Umgebung sich selbst überlassen, oder kann man sich in der letzten Woche, die dank erforderlicher Evaluierungen sowieso einen großen Aufwand bedeuten, auf die Hilfestellung der Organisatoren verlassen? Sind Ausflüge und Aktivitäten vorab im Preis inkludiert, oder muss man auf den letzten Drücker noch etwas zuzahlen?



4. Ist die unterstützende Organisation auch akkreditiert und erkaufen sie sich diese Akkreditierung, oder werden sie jährlich durch UKAS, ENQA, NSAI, QDR, o.ä., auf ein Quality Assured Certificate hin geprüft?



5. Gibt es ein Veranstaltungsverzeichnis mit den genauen Daten und Uhrzeiten etwaiger Aktivitäten (sei es auf Papier oder digital, worauf alle Beteiligten einfachen Zugriff haben)?



6. Bei Bitte um ein spezifisches Praktikun (z.B., Marketing): wie wahrscheinlich ist es, dass stattdessen ein Praktikum im Catering-Bereich bereitgestellt wird? Die Relevanz der Praktikumsstelle ist für die ERASMUS+-Förderung und auch die eigene (Fort-)Bildung von größter Bedeutung!



7. Werden freistehende Wohnungen und Häuser (u.a., wegen eines im Hintergrund stattfindenden Immobilienverkaufs) als Unterkünfte angeboten? Solche Angebote sind rechtlich und versicherungstechnisch höchst fraglich und prekär. Wenn etwas schiefläuft, oder kaputtgeht, werden häufig willkürliche Reparatur- oder Ersetzungskosten fällig, die den eigentlichen Wert des Gegenstandes um das 3- bis 6-fache übersteigen. Besser ist es in solchen Fällen, vorher zu fragen, was Sache ist und wie verantwortungs- und versicherungstechnisch vorgegangen wird.



8. Befasst sich die unterstützende Partnerorganisation im betrieblichen Geschehn auch mit Umweltschutz, bietet sie bewusst eine örtlich-kulturelle Einbeziehung der Teilnehmenden sowie Touren in der Umgebung an? Diese Überlegungen sind wichtig, um den Förderzielen des ERASMUS+-Projekts gerecht zu werden und einen hinreichenden Erfolg vorweisen zu können.



Es ist mehr als essentiell, mögliche unterstützende Partnerorganisationen zu diesen und weiteren Themen eingehend zu befragen und sich nicht verblenden zu lassen! ERASMUS+-Projekte müssen während ihrer Durchführung viele Einzelheiten gleichzeitig bedenken und vielen Vorgaben gerecht werden; da braucht es nicht auch noch eine zusätzliche Belastung durch vermeidbare Probleme und Schwierigkeiten, die durch unachtsame Projektpartner und unsauber geführte Organisationen entsteht. Fehlerhafter Umgang mit Daten und Sicherheitsvorkehrungen können dazu führen, dass verantwortliche Schulen und Lehrkräfte rechtlich verfolgt und zu Geldstrafen oder Rückzahlungen von Fördermitteln verurteilt werden. Es gilt auch hier: Augen auf beim Kauf!

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